18 August 2021

Noch ganz im Frankreichmodus

 ... entfloh mir heute im heimischen Supermarkt ein "Désolée", als ich mit einem fremden Wagen weiterwollte. Nun sind wir wieder zurück, die Koffer ausgepackt und die Fotos in zwei Alben zusammengestellt. Eines zeige ich heute und ich hoffe, die Informationen dazu interessieren Euch. Aber Achtung, es ist ziemlich viel zu sehen und zu lesen.

Seit mehreren Jahren schon verreisen die Jüngste und ich für einige Tage in den Ferien. Im vergangenen Jahr waren wir in zuerst Brüssel und von dort aus ging es nach Paris. In diesem Jahr sollte erst es in die Stadt des Löwen (frz. le lion) und dann von dort aus nach Paris gehen. 

Die Szenen in meinem Französisch-Lehrbuch spielen in Lyon und ich wollte nun mal aus erster Hand erleben, wie es dort aussieht. Gleich zu Beginn besorgten wir uns die Lyon-Carte, mit der man alle öffentlichen Verkehrsmittel benutzen, viele Museen kostenfrei besuchen und sogar eine Bootsfahrt machen konnte. 

Lyon liegt am Zusammenfluß von Rhône und Saône. Wir waren auf der Saône unterwegs. Nach einem kurzen Abstecher in Richtung Norden ging es dann in Richtung Confluences - dem Punkt des Zusammentreffens der beiden Flüsse. Dieser Teil der Presqu'île, Halbinsel, wie man hier zu diesem Stadtteil sagt, ist im letzten Jahrzehnt entwickelt worden und das sieht man sehr, ist doch alles voller neuer Bauten mit viel Glas und einer zum Teil außergewöhnlichen Architektur.

Dieses riesige Haus erinnert mich an ein Vogelnest. Tatsächlich ist ein Wohnhaus. Es war das letzte große Projekt. Aber auch jetzt wird immer noch überall gebaut, wie man an den vielen Kränen sieht. Lyon hatte sich für 2013 als europäische Kulturhauptstadt beworben. Gewonnen hat dann Marseille.


Auf Fotos gesehen hatte ich vorher die futuristische Konstruktion des Cube orange, der letztendlich nur ein Bürogebäude ist. 

Vom selben Architekten, wie unschwer zu erkennen ist, stammt diese grüne Gebäude, in dem der Fernsehsender  "Euronews" seinen Sitz hat. Könnt Ihr die Katzenaugen erkennen?

An der Spitze der Halbinsel liegt das Confluences-Museum. Es wurde 2014 eröffnet. Das Gebäude misst 190 Meter in der Länge, 90 Meter in der Breite und gut 40 Meter in der Höhe. Die ständigen bzw. wechselnden Ausstellungen befassen sich vor allem mit dem Schwerpunkt der Ethnologie und der Anthropologie. Ich habe exemplarisch zwei Fotos ausgewählt.


Es hingen mehrere Gemälde der Kunst der Aborigines. Viele kleine Punkte bilden am Ende die Formen. 

Diese Hochzeitskleid besteht aus Glasfaserkabeln, Seide, Polyamid, LED und jeder Menge Elektronik. Wie es so ausgestellt wurde, sah es schon schick aus. 

Durch die exponierte Lage an den zwei Flüssen gab es auch einen Hafen. Entlang der Kais liegen große und kleine Boote. Einige sahen bewohnt aus.


In einem nicht mehr zu seinem ursprünglichen Zweck genutzten Gebäude, der Sucrière, in dem früher der gelöschte Zucker umgeladen wurde, wird gerade eine Ausstellung zu Antoine de Saint-Exupéry, der 1900 in der Nähe von Lyon geboren ist, gezeigt. 


Gleich zum Anfang wird man mit dem "Kleinen Prinzen" auf eine fantastische  Reise geschickt. Doch nicht nur sein berühmtestes Werk wird thematisiert. Auch seine Leidenschaft für das Fliegen und seine Tätigkeit als Kurierflieger sowie sein privates Leben werden ausführlich dargestellt. Zeitdokumente, Briefe, Fotos und seine Armeemarke, die ihn letztendlich nach seinem Verschwinden über dem Mittelmeer beim Auffinden der Flugzeugreste identifizierten zeugen von einer sorgfältigen Ausstellungsvorbereitung. Neben den analogen Darstellungen werden viele multimediale Elemente eingebunden.


Es gibt sogar eine Straße, die nach ihm benannt wurde, la Rue Antoine de Saint-Exupéry. Dort findet man auch ein Denkmal des Schriftstellers mit dem Kleinen Prinzen.


Ein weiteres Exemplar des Buches habe ich nicht mitgenommen 😂, aber eine riesige Tasse. 

Lyon ist für seine Traboules bekannt. Das sind Passagen- oder Treppenhauskonstruktionen, die den Durchgang von einer Straße zur anderen ermöglichen, gegebenenfalls durch Innenhöfe und mitunter über verschiedene Ebenen. Diese Traboules findet man vor allem im Viertel La Croix Rousse, welches sich nördlich der Halbinsel auf einem Hügel erstreckt. Dort vor allem befanden sich die Werkstätten der Seidenweber, den Canuts. Damit diese bei Unwettern ihre Waren trocken transportieren konnten, nutzten sie diese Traboules.


Wir sind eher zufällig auf dieses auffällige, außen angelegte Treppenhaus gestoßen. Von hier aus kann man den Weg zu sogar zwei Straßen verkürzen. Irgendwie durchzugehen, haben wir uns aber nicht getraut.
Ein beliebtes Fotomotiv des Viertels ist die Mur des Canuts, die Mauer der Seidenweber, eine 1200 m² große bemalte Hauswand eines sechsstöckigen Mietshauses und damit die größte in Europa. Sie nimmt Szenen aus dem Alltagsleben des Viertels auf. 1987 zum ersten Mal bemalt, zeigt sie mittlerweile die 3.Version. 


Ja ich weiß, das sieht alles sehr real aus, aber es ist eine Illusionsmalerei, ein sogenanntes Trompe-l'œil. Es ist tatsächlich alles aufgemalt. Lyon ist wohl die Hauptstadt der Hausmalereien. Und damit sind nicht die Graffitis gemeint.
Unbedingt finden wollte ich den großen Stein, le Gros Caillou, einer Legende nach das versteinerte Herz eines Gerichtsvollziehers, der eine Seidenweberfamilie vor die Tür setzte. 


Selbstverständlich haben wir ihn gefunden. Zum Größenvergleich: das Tochterkind ist 1,70 m groß. Wissenschaftler sind übrigens der Meinung, daß es sich um einen Findling aus der Eiszeit handelt 😉.

Bleibt noch das alte Lyon, le Vieux Lyon, welches am rechten Ufer der Saône liegt. Dominiert wird der Blick von der Basilika Notre-Dame de Fourvière. Sie liegt auf einem Hügel und ist von weitem gut zu sehen.


Sie ist das Wahrzeichen des Lyoner Marienkults. Die Jungfrau Maris wurde 1643 zur Schutzpatronin der Stadt. 


Neben der Basilika steht die Tour de Fourvière, der Turm aus Eisen, der nach Plänen von Gustave Eiffel gebaut wurde. Früher konnte er bestiegen werden. Heute ist er nur noch ein Sendeturm.


Unter den Römern war Lyon als Lugdunum bekannt. Zur Deutung des Namens gibt es eine, nämlich, daß Lugdunum aus dem Keltischen übersetzt "Hügel der Raben" heißt. Die andere geht davon aus, daß "Lug" (lat. Lux, Licht) der keltische Sonnengott und "dunum" Festung auf Lateinisch bedeutet. 


Spuren der römischen Besiedlung finden sich unter andern in den Théâtres romains, in denen heute Konzerte und andere Kulturveranstaltungen stattfinden. Bekannt sind die "Nuits de Fourvières", die im Juni/Juli sind. Dafür waren wir leider zu spät. Dafür hat wenigstens Elyx Spaß. 


Gleich neben der Arena befindet sich das Lugdunum-Museum, das am Montag aber geschlossen hatte.

Unterhalb der Basilika, am Ufer der Saône, steht die Kathedrale Saint-Jean. Sie entstand ab 1180 und ist die Kirche des Erzbischofs von Lyon. Katharina von Medici und Henrich der Vierte heirateten hier und Napoleon besuchte mehrmals die Messe. Die astromische Uhr im Inneren war leider eingerüstet. Wie überhaupt an so einigen Gebäude in der Stadt Bauarbeiten liefen.


In der unteren Altstadt sind enge Gassen, gesäumt von Geschäften und "Bouchons", typischen kleinen Restaurants, in denen vor allem deftig gegessen wird. Unser Ziel war jedoch das Film- und Miniaturmuseum, das Musée Gadagne.


Hier sind unter anderem Filmkulissen ausgestellt, z.B. mehrere aus dem Films "Das Parfüm". Man kann die gigantischen Figuren aus mehreren Science Fiction Filmen besichtigen, bekommt eine Idee von der Darstellung von Spezialeffekten mittels Blue oder Green Screen und staunt über Willy Wonkas Schokoladentafel. 


Wir lieben diesen Film und grinsen uns immer an, wenn Charlie zu Willy sagt, daß die Familie einen zu einem besseren Menschen macht. Oder wenn das verwöhnte Mädchen gesagt bekommt, daß es eine hohle Nuß ist. Neben den großen Filmsachen finden sich auch die kleinen, Modelle von Häusern oder Innenräumen, Dekorationen, die anstelle der echten für einen Film verwendet werden. Das ist ein  Museum, in dem Klein und Groß glücklich werden können.
In derselben Straße ist ein weiteres Museum, eher für kleine Kinder. In Lyon wurde Guignol erfunden. Das ist eine Holzpuppe, die mit unserem Kasperle zu vergleichen ist. 


Es sind nur zwei Räume, aber vollgestopft mit Guignol-Puppen verschiedener Machart. Jede hat eine eigene Funktion. Wer Lust hat, kann selbst ein kleines Stück spielen. 

Ebenfalls im Vieux-Lyon befindet sich die Tour Rose. Der Turm ist ein beliebtes Fotomotiv, verständlich. Auch hier kann man einen anderen Ausgang als Eingang nehmen.


Es traf sich gut, daß die Rue des trois Maries ebenfalls im Vieux Lyon ist. Dort finden die Protagonisten meines Lehrbuches eine Wohnung 😁. 


Kaum zu glauben, daß nur 20 Meter parallel dazu die beliebte Einkaufsstraße ist. Hier machten wir auch kurz Pause und genossen einen Chai Latte bzw. hausgemachte Limonade.

Lyon ist nach Paris und Marseille die drittgrößte Stadt Frankreichs. Unser Hotel war auf der Presqu'île. Verkehrsmäßig waren wir prima angebunden. Dank der hervorragenden Handy-Navigationsfähigkeiten des Tochterkindes ☝ haben wir auch immer gut überall hingefunden. Zum Fourvière-Hügel gibt es zwei Zahnradbahnen und ins La Croix Rousse-Viertel fahren Busse und U-Bahn. Doch wir waren auch sehr viel zu Fuß unterwegs und abends  ganz schön kaputt. Aber wir wollten so viel sehen, wie es eben nur möglich war.
Natürlich habe ich Souvenirs aus Lyon mitgenommen.


Den Stadtplan im Hintergrund habe ich sie mal aufgebaut, meine Erinnerungen. Je eine Flasche eines regionalen Bieres (und das im Land des Weines) gehen an meinen Mann und den Trainer der Tochter. Das kleine Prinz T-Shirt wird später dem Enkel passen. Ein Abenteuer von Arsène Lupin habe ich zum Lesen mitgenommen. Auf dem Fingerhut ist Guignol zu sehen. Und die Prinzentasse mußte einfach sein. 

Das war Teil 1 des Urlaubsberichtes. Unsere Erlebnisse in Paris müssen auf einen nächsten Post warten. Denn auf mich warten nun die Tomaten, Gurken und Zucchini. (Von der Wäsche ganz zu schweigen.)

A tout à l'heure!

Petruschka

8 Kommentare:

  1. Liebe Petra welche kompetente Stadtführung hast du zusammengestellt. Deine Bilder sind zu schön und vermitteln viel von der Stadt mit der Historie und die moderne Architektur. Ich kann mir vorstellen dass ihr ein sehr gutes Team wart. Dir Freude beim Gärtnern und Ernten. Noch gute Erholung von allem. Lg. Von Frauke

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  2. Danke für die tollen Fotos.
    Liebe Grüße Gitta

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  3. These are extraordinary sights and thank you so much for sharing them with us. I thoroughly enjoyed reading this post!

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  4. Du hast Lyon so gut beschrieben, es scheint definitib eine Reise wert zu sein.

    Nana

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  5. Liebe Petra,
    was für ein schöner Urlaubsbericht, wie schön muss dann erst der Urlaub selbst gewesen sein. Ich bin schon gespannt auf Paris.
    Liebe Grüße Viola

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  6. Schöne Bilder zeigst du uns, aber das bemalte Haus schießt ja wohl den Vogel ab, einfach genial.
    LG Angelika

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  7. Liebe Petra,
    vielen Dank für diesen schönen und informativen Reisebericht. Lyon ist definitiv eine Reise wert und ich freue mich schon, dich durch Paris "begleiten" zu dürfen.
    Schöne Erinnerungen hast du dir und deiner Familie mitgebracht, die sich bestimmt sehr darüber gefreut haben.
    Herzliche Grüße
    Gudrun

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  8. Mutter-Tochter-Reisen sind doch immer ein ganz besonderes Erlebnis! Ihr habt viel gesehen. Die Mauer musste ich auch erst mal genau beäugen. Das ist ja eine spannende Sache!
    Inzwischen bist Du der Gemüseflut vielleicht schon ein bisschen Herr geworden?
    LG
    Elke

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Danke für Deinen Kommentar, ich freu mich sehr darüber.
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